Impressionen einer Reise

Es gibt viele unterschiedliche Meinungen darüber, was das Leben eigentlich ausmacht. Manche gehen voll und ganz in ihrer Arbeit auf, andere widmen ihr Leben ihrer Familie und wieder andere - zu denen ich selbst mich zähle - lieben es zu reisen, unterwegs zu sein und das Abenteuer und die Abwechslung zu suchen. Die Erfüllung des Lebens besteht für mich im Reisen. Reisen hießt für mich das Leben neu entdecken, Eindrücke und Erfahrungen sammeln, fremde Orte und Kulturen kennenlernen und immer offen und gespannt auf Neues sein.

Letztes Jahr war ich in Indien. Es war das erste Mal, dass ich in einem Land war, das so gar nicht an unsere westlichen Standards und Bedürfnisse angepasst ist.

Irgendwie dachte ich bevor die Reise begann noch ziemlich blauäugig, dass wir ja immerhin nicht aus der Welt seien und das Land im Prinzip doch irgendwie sicher auf die ein oder andere Weise an unsere Lebenskultur angelehnt wäre. Einfach vielleicht aus dem Grund heraus, weil man schnell dabei ist zu denken, wir seien ja schließlich alle Menschen und unsere Grundbedürfnisse müssten sich ja dann zumindest irgendwie ähneln. Doch weit gefehlt!

Es war für mich unglaublich zu entdecken, wie unterschiedlich die Kulturen wirklich sind! Natürlich ist einem bewusst, dass es unterschiedliche Lebensweisen gibt und dass der Lebensstandard nicht überall gleich ist.

Aber wie fremd die Welt um uns herum sein kann, das war im dem Ausmaß zuvor nicht klar.

Als westlich gesinnter Mensch begeht man immer und immer wieder den Fehler mit unserer europäischen Denkweise von falschen Annahmen auszugehen.

Aber Indien ist anders! Anders als alles, was ich bisher gesehen habe.

Die Menschen dort sind wirklich arm. Man geht durch Gebiete, in denen die Bevölkerung links und rechts am Straßenrand unter behelfsmäßigen Zeltplanen schläft. Sie haben ein Decke und die eigenen Kleider am Leib, mehr nicht. Sie putzen sich morgens im Straßengraben, wo der Gestank manchmal kaum auszuhalten ist, die Zähne. Sie dürften eigentlich jede Hoffnung verloren haben, doch trotzdem: sie stehen jeden Morgen auf, sie machen weiter, sie wollen leben!

Menschen verhungern auf offener Straße, es gibt niemanden, der hilft, der einschreitet, der für Gerechtigkeit sorgen würde! Mit einem Mal wird einem bewusst, dass dieses Leben für manche Menschen Realität ist. Dass es die Wirklichkeit ist, die Wirklichkeit, aus der ihr Leben besteht. Sie leben dort nicht, um uns zu demonstrieren, wie es sein könnte - nein! Sie leben dort, weil es für sie so ist.

Man fragt sich, warum niemand etwas tut gegen diese bestehende Ungerechtigkeit, gegen diese Elend der Leute. Aber schnell wird einem bewusst, dass auch man selbst machtlos ist. Man kann diesen Menschen zu Essen geben, man kann ihnen Geld geben, aber man wird auch dadurch nichts ändern an ihrem Leid.

Manchmal sind es traurige Erkenntnisse, zu denen man auf solchen Reisen gelangt. Und doch prägen sie, öffnen die Augen und helfen dabei, das Leben, das wir führen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Viel zu selten sehen wir, wie gut es uns doch geht! Wir können es uns nämlich erlauben, auch mal eine Ferienwohnung an der Ostsee zu buchen und vom Alltag zu entspannen.